Stolpersteine
Im Jahr 2009 wurden die ersten Stolpersteine in Neubrandenburg verlegt. Seitdem haben wechselnde Initiativen weitere Stolpersteine in der Stadt setzen lassen. Sie befinden sich jeweils an der letzten bekannten Neubrandenburger Adresse der Person und stellen eine wichtige Erinnerung an das jüdische Leben und die jüdische Gemeinde in der Stadt dar. Durch die Verfolgung während des Nationalsozialismus kam das jüdische Leben in der Stadt dauerhaft zum Erliegen. Auch nach dem Kriegsende siedelte sich keine Gemeinde erneut an.
Born, Franziska
geboren 1871 in Neubrandenburg, ermordet 1944 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Krämerstraße 1a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzte Wohnorte
Stralsund, Berlin
Franziska Heine wurde am 3. April 1871 in Neubrandenburg als Tochter von Hermann und Johanna Heine geboren. Sie war die jüngste von vielen Geschwistern. Mit ihrem Mann Max Born bekam sie zwei Söhne und eine Tochter. Die Familie lebte auf der Insel Rügen und in Stralsund, wo sich Franziska Born politisch liberal engagierte. Franziska Born wurde schon mit 35 Jahren Witwe und zog in die Großstadt Berlin. Später kam sie bei ihrem Sohn Willy in der Charlottenburger Kantstraße 78 unter. Am 18. Mai 1943 deportierten SS und Polizei Franziska Born mit dem sogenannten 88. Alterstransport in das Ghettolager Theresienstadt. Auf den Tag genau ein Jahr später verschleppte man sie nach Auschwitz, wo sie zunächst eine Nummer in den Arm tätowiert bekam und in das sogenannte Familienlager eingewiesen wurde. Am 19. Mai 1944 wurde sie in Ausschwitz ermordet. Franziska Born war 73 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Brandwein, Jacob
geboren 1888 in Zamość /Lublin, unfreiwillig verzogen nach Stettin, „Polenaktion“ 1938, Schicksal unbekannt
Verlegeort
Neutorstraße 5 – 7, Neubrandenburg (Durchgang)Stadtteil
InnenstadtVerlegedatum
7. Juni 2024Letzte Wohnorte
Neutorstraße 12, Neubrandenburg; Stettin
Jacob Brandwein kam am 5. März 1888 in der heute polnischen Stadt Zamość zur Welt. Er ist der Sohn von Judko und Frymet Brandwein. Er wächst mit seinen jüngeren Geschwistern Sabine (1879) und Josef (1890) auf. Später lebt er in Neubrandenburg und heiratete im Jahr 1922 Regina Holler. Das Paar lebte in der Neutorstraße 12 und bekommt 1930 eine Tochter, Mia. Das Modegeschäft, welches Jakob Brandwein führt, geht im Jahr 1931 Konkurs. Wie es für die Familie wirtschaftlich weitergeht, ist nicht bekannt.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist die Familie aufgrund ihres jüdischen Glaubens und ihrer polnischen Abstammung immer wieder schweren Diskriminierungen ausgesetzt. Die Familie geht nach Stettin. Am 26. Oktober 1938 verhängt der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, ein sofortiges Aufenthaltsverbot für die in Deutschland lebenden Juden polnischer Herkunft. Jacob Brandwein und seine Familie werden von der Schutzpolizei festgenommen und mit Tausenden anderen über die deutsch-polnische Grenze abgeschoben. Ihr weiteres Schicksal ist nicht geklärt. Von Jacob Brandwein und seiner Familie hat man nie wieder etwas gehört.
Quellen:
- Neubrandenburger Stadtarchiv
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Holocaust Denkmal Berlin
- Deutsche Digitale Bibliothek
- Yad Vashem
Brandwein, Mia
geboren 1930 in Neubrandenburg, unfreiwillig verzogen nach Stettin, „Polenaktion“ 1938, Schicksal unbekannt
Verlegeort
Neutorstraße 5 – 7, Neubrandenburg (Durchgang)Stadtteil
InnenstadtVerlegedatum
7. Juni 2024Letzte Wohnorte
Neutorstraße 12, Neubrandenburg; Stettin
Mia Sala Cläre Brandwein wird am 30. Juni 1930 in der mecklenburgischen Stadt Neubrandenburg geboren. Ihre Eltern, Regina und Jakob Brandwein, sind aus dem Osten Polens nach Deutschland eingewandert. Die Familie lebt später in der Großstadt Stettin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sind sie aufgrund ihres jüdischen Glaubens und ihrer polnischen Abstammung immer wieder schweren Diskriminierungen ausgesetzt. Am 26. Oktober 1938 verhängt der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, ein sofortiges Aufenthaltsverbot für die in Deutschland lebenden Juden polnischer Herkunft. Mia Brandwein wird im Alter von acht Jahren mit ihren Eltern über die polnische Grenze abgeschoben. Ihr genaues Schicksal ist, wie auch das ihrer Eltern, nicht bekannt.
Quellen:
- Neubrandenburger Stadtarchiv
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Holocaust Denkmal Berlin
- Yad Vashem
Brandwein, Regina
geboren 1895 in Bukaczowce/Bukatschiwzi/Bukatschjowzy, unfreiwillig verzogen nach Stettin, „Polenaktion“ 1938, Schicksal unbekannt
Verlegeort
Neutorstraße 5 – 7, Neubrandenburg (Durchgang)Stadtteil
InnenstadtVerlegedatum
7. Juni 2024Letzter Wohnort
Neutorstraße 12, Neubrandenburg; Stettin
Regina Holler kommt am 25. März 1895 in dem heute ukrainischen Dorf Bukatschiwzi zur Welt. Sie zieht nach Neubrandenburg und heiratet im Jahr 1922 Jacob Brandwein. Das Paar lebt in der Neutorstraße 12 und bekommt 1930 eine Tochter, Mia. Später zieht die Familie nach Stettin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist die Familie aufgrund ihres jüdischen Glaubens und ihrer polnischen Abstammung immer wieder schweren Diskriminierungen ausgesetzt. Am 26. Oktober 1938 verhängte der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, ein sofortiges Aufenthaltsverbot für die in Deutschland lebenden Juden polnischer Herkunft. Regina Brandwein und ihre Familie werden von der Schutzpolizei festgenommen und mit Tausenden anderen über die deutsch-polnische Grenze abgeschoben. Von Regina Brandwein und ihrer Familie hat man nie wieder etwas gehört.
Quellen:
- Neubrandenburger Stadtarchiv
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Holocaust Denkmal Berlin
- Yad Vashem
Heine, Max Hermann
geboren 1863 in Strelitz/Mecklenburg, 1939 Flucht nach Dänemark
Verlegeort
Krämerstraße 1a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzter Wohnort
Am Markt 14, Neubrandenburg
Max Hermann Heine war Kaufmann und führte einen Großhandel mit Wolle, Getreide, Saatgut und Düngemitteln. Er war mit Ida Heine verheiratet. Von 1901 bis 1914 war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde Neubrandenburg und von 1914 bis 1935 Vorsitzender der jüdischen Landesgemeinde von Mecklenburg-Strelitz. Im Jahr 1930 starb seine Frau Ida im Alter von 64 Jahren. In den Jahren 1936 bis 1938 war Max Hermann Heine Abgeordneter und ab 1937 Rechnungsführer der jüdischen Landesversammlung.
Im November 1938 musste er sein Grundstück zwangsverkaufen. Vom 10. November bis zum 16. November 1938 war er im Zuchthaus Alt-Strelitz interniert und konnte im Januar 1939 nach Dänemark emigrieren.
Am 31. Juli 1941 starb er im Alter von 78 Jahren in Kopenhagen.
Quelle:
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Lebenswege und Schicksale. Ein Gedenkbuch. Band 2. Hrsg: Institut für Zeitgeschichte/Landeszentrale für politische Bildung M-V. Schwerin.
Hirsch, Jenny
geboren 1891 in Neubrandenburg, ermordet 1942 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Friedrich-Engels-Ring 29, NeubrandenburgStadtteil
JahnviertelVerlegedatum
12. Juni 2009Letzter Wohnort
Adolf-Friedrich-Straße 22, Neubrandenburg
Jenny Heine wurde am 10. Oktober 1891 in Neubrandenburg geboren. Sie war die Tochter von Isidor und Hella Heine. Sie heiratete zweimal: Ihrer ersten Ehe mit dem jüdischen Rechtsanwalt Alfred Silbermann entstammten zwei Kinder. Die Ehe wurde geschieden und sie heiratete später Walter Hirsch. Sie war Hausfrau. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in Berlin-Halensee, nach Kriegsbeginn kehrte sie nach Neubrandenburg zurück.
Am 10. Juli 1942 wurde Jenny Hirsch über das Durchgangslager Ludwigslust via Hamburg nach Auschwitz deportiert. In dem Transport saßen insgesamt 697 jüdische Männer, Frauen und Kinder.
Jenny Hirsch wurde im Juli 1950 in Ausschwitz ermordet. Sie war 50 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Hirschfeldt, Henny
geboren am 3.9.1880 in Neubukow/Mecklenburg als Henny Burchardt, am 18.11.1941 nach Minsk deportiert, ermordet
Verlegeort
Krämerstraße 1a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzter Wohnort
Haynstraße 10, Hamburg
Henny Burchardt heiratete am 12. April 1907 Eduard Hirschfeldt in Neubrandenburg. Nach der Hochzeit zog Henny zu Ihrem Mann nach Hamburg. Er war ein wohlhabender Kaufmann und betrieb ein Weiß- und Wollwarengeschäft. Ihre gemeinsame Tochter Margot wurde im Jahr 1909 geboren.
Im Dezember 1939 wurden sie gedrängt die Firma und ihre Immobilien zwangsweise zu verkaufen. "Bezahlt" wurde der Einstandspreis der vorhandenen Waren, der "Goodwill" blieb unvergütet. Die Erwerber, die Herren Feldmann und Langhein, ließen die "jüdische" Firma am 17. März 1939 löschen und eröffneten an gleicher Stelle und mit den alten Warenbeständen ein "neues" Geschäft.
Henny und Eduard Hirschfeldt mussten ihre Wohnung in der Grindelallee 88 aufgeben und zogen nachdem sie ihr gesamtes Vermögen verloren hatten nach Eppendorf, in die Haynstraße 9. Dort lebte ihre Tochter Margot mit ihrem Sohn Michael (geboren 30. August 1931). Ihrer Familie war das gleiche wiederfahren. Ihr Mann, der Unternehmer Alfons Haas war ohne Familie in die Niederlande geflüchtet.
Zusammen zogen sie noch einmal um in die Haynstraße 10. Am 19. Oktober 1941 starb Eduard Hirschfeldt, über die Todesursache ist nichts bekannt. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf beigesetzt. Einen Monat später, am 18. November 1941, wurde die restliche Familie – Henny Hirschfeldt, Margot und Michael Haas – ins Ghetto nach Minsk deportiert. Sie überlebten nicht.
Für Henny Hirschfeldts Tochter Margot und ihren Enkel Michael liegen Stolpersteine in Hamburg-Harvestehude, Parkallee 5.
Quelle:
- Stolpersteine Hamburg
Hoffmann, Margarete
geboren am 18. April 1888 in Berlin als Margarethe Adam, am 14.11.1941 nach Minsk deportiert, ermordet
Verlegeort
Ziegelbergstraße/Krauthöferstraße, NeubrandenburgStadtteil
KatharinenviertelVerlegedatum
12. Juni 2009Letzte Wohnorte
Ziegelbergstraße 28, Neubrandenburg;
Giesebrechtstraße 5, Berlin
Margarete Karoline Adam wurde am 18. April 1888 in Berlin geboren. Sie heiratete Siegfried Hoffmann und lebte mit ihm in der Ziegelbergstraße 28. Er war Kaufmann. Nachdem ihr Mann im Zuge der Reichspogromnacht für vier Tage ins Zuchthaus nach Alt-Strelitz musste und sie im Januar 1939 zum Zwangsverkauf ihrer Häuser in Neubrandenburg genötigt wurden, ging das Paar nach Berlin. Sie lebten in der Giesebrechtstraße 5. Am 14. November 1941 wurde Margarete Hoffmann von der Synagoge in der Berliner Levetzowstraße zum Bahnhof Grunewald getrieben. SS und Polizei deportierten sie mit Hunderten anderen Berliner Juden nach Minsk. Die Fahrt dauerte vier Tage.
Margarete Hoffmann musste dort im Ghetto leben. Es gab weder Trinkwasser noch Elektrizität, und im Winter konnten die bereits baufälligen Wohnungen nicht beheizt werden. Im Ghetto Minsk verliert sich die Spur von Margarete Hoffmann. Sie war 53 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Hoffmann, Siegfried
Verlegeort
Ziegelbergstraße/Krauthöferstraße, NeubrandenburgStadtteil
KatharinenviertelVerlegedatum
12. Juni 2009Letzte Wohnorte
Ziegelbergstraße 28, Neubrandenburg;
Giesebrechtstraße 5, Berlin
Siegfried Hoffmann wurde am 29. September 1877 im westpreußischen Raikau geboren. Er war zweimal verheiratet: In erster Ehe mit Bertha Hoffmann, geborene Silbermann. Das Paar lebte in der Ziegelbergstraße 28. Nachdem seine Frau Bertha im Jahr 1934 verstarb, heiratete Siegfried Hoffmann die elf Jahre jüngere Margarethe Adam. Siegfried Hoffmann arbeitete als Kaufmann.
Einen Tag nach der Reichspogromnacht, am 10. November 1938, wurde Siegfried Hoffmann ins Zuchthaus Alt-Strelitz gebracht. Er musste bis zum 14. November 1938 dort ausharren. Im Januar 1939 wurde er genötigt seine Häuser in Neubrandenburg zwangsweise zu verkaufen. Zusammen mit seiner Frau Margarethe ging er nach Berlin. Sie lebten in der Giesebrechtstraße 5.
Das Paar wurde 1941 in der Sammelstelle in der Levetzowstraße interniert, eine auf Geheiß der Gestapo umfunktionierte Synagoge, und von dort am 14. November zum Bahnhof Grunewald getrieben. SS und Polizei deportierten sie mit Hunderten anderen Berliner Juden nach Minsk. Die Fahrt dauerte vier Tage. Im Minsker Ghetto verliert sich die Spur von Siegfried Hoffmann. Er war 64 Jahre alt.
Quellen:
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Holocaust Denkmal Berlin
- Stolpersteine Berlin
Kallmann, Else
geboren 1878 in Penzlin, 1942 ermordet in Piaski (bei Lublin)
Verlegeort
Neutorstraße 34Stadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2009Letzter Wohnort
Neutorstraße 41, Neubrandenburg;
Lietzenburgerstr. 32, Berlin-Wilmersdorf
Else Ester Jacob wurde am 3. September 1878 im mecklenburgischen Dorf Penzlin geboren. Ihre Eltern hießen Siegmund und Natalie Jacob. Sie heiratete Heinrich Kallmann und arbeitete mit im familiären Kolonialwarengeschäft. Im Januar 1939 wurde sie gezwungen ihr Wohn- und Geschäftshaus in der Neutorstraße 41 zu verkaufen. Sie zog daraufhin nach Berlin, wo auch schon ihre Tochter Antonia lebte. Ihre letzte bekannte Adresse ist die Lietzenburgerstraße 32 in Berlin-Wilmersdorf.
Am 28. März 1942 wurde Else Kallmann mit dem sogenannten 11. Osttransport in das Ghetto von Piaski bei Lublin verschleppt. In dem Transport befanden sich 975 Menschen. Else Kallmann war als "arbeitsfähig" eingestuft und musste wahrscheinlich in der Region Lublin schwere Zwangsarbeit leisten. Sie starb am 3. Juni 1942, nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft, unter unbekannten Umständen. Else Kallmann war 63 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Krasemann, Paula Perle
geboren am 24. Dezember 1891 in Stryj (heute Ukraine), 1940 Flucht in den Tod
Verlegeort
Friedrich-Engels-Ring 11, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
Juni 2024Letzter Wohnort
Adolf-Friedrich-Straße 1, Neubrandenburg
Paula Perle Blumenkranz wird am 24. Dezember 1891 im heute ukrainischen Stryj geboren. Ihre Eltern heißen Salomon und Blima Blumenkranz. Sie wächst in einer sehr kultivierten und wohlhabenden Familie auf. Ihr Vater Salomon Blumenkranz ist Unternehmer und besitzt ein großes Sägewerk in Stryj sowie einen Holzhandel.
Die junge Paula, genannt „Perle“ ist sehr musikalisch. Sie studiert Gesang und spielt Geige, Harfe und Klavier. Nach dem Studium arbeitet sie als Sopranistin an der Warschauer Oper. Sie ist eine der Wenigen, die zu der Zeit das hohe C singen kann.
Vermutlich sah Wilhelm Krasemann sie bei einem Auftritt in Warschau. Wilhelm Krasemann ist christlicher Religion, Pferdehändler und unterhält eine Zucht. Sein Gestüt ist gefragt. Es ist überliefert, dass er an viele Adlige Pferde verkaufte, darunter war auch Kaiser Wilhelm. Wahrscheinlich ist, dass Wilhelm Krasemann weiträumige Geschäftsbeziehungen unterhielt.
Wilhelm Krasemann wirbt um die Hand von Paula Perle und sie stimmt einer Hochzeit zu. Die Hochzeit findet am 25. April 1918 in Neubrandenburg statt. Für die Ehe gibt Paula Perle ihre Berufstätigkeit auf. Sie und ihr Mann bekommen drei Söhne: Herbert (1919), Kurt (1923) und Karl-Heinz (1926).
Es ist überliefert, dass Paula Perle der Musik auch in Neubrandenburg treu bleibt. Ihr Sohn Karl-Heinz sagt später: „Meine Mutter ging auf, wenn sie am Flügel saß und sang. Wenn im Sommer die Fenster der Villa weit offenstanden und sie gespielt und gesungen hat, sind die Leute auf der Straße stehen geblieben.“
Auch das Reiten ist eine Leidenschaft von Paula Perle. Sie reitet jeden Vormittag im Damensattel mit ihrem Reitknecht aus. Perle ist ein sehr gläubiger Mensch. Sie legt Wert darauf, dass ihre Kinder nie das Haus verlassen, ohne die Worte „mit Gott“ zu sprechen.
Ihr Sohn Karl-Heinz berichtet später auch davon, dass seine Mutter unter dem zunehmenden Judenhass sehr gelitten hat und die zunehmende Repression als willkürlichen Eingriff in ihr Leben erfährt.
Paula Perle leidet zudem gesundheitlich stark unter Diabetes. Sie fährt regelmäßig zur Behandlung an die Berliner Charité und setzt ihrem Leben am 19. November 1940 während eines Aufenthalts in Berlin ein Ende. Sie wurde 49 Jahre alt.
Quellen:
- Neubrandenburger Stadtarchiv
- Familienangehörige
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Löwi, Hanna
geboren 1882 in Dramburg/Drawsko Pomorski, ermordet 1942 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Friedrich-Engels-Ring 29, NeubrandenburgStadtteil
JahnviertelVerlegedatum
12. Juni 2009Letzter Wohnort
Adolf-Friedrich-Straße 22, Neubrandenburg
Hanna Löwi, geborene Gutmann, kam am 27. September 1882 in dem kleinen Ort Dramburg in Pommern auf die Welt. Sie zog nach Neubrandenburg in Mecklenburg. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierten viele jüdische Bürger oder zogen in die nächstgrößeren Städte. Hanna Löwi, die inzwischen alleinstehend war und wahrscheinlich keine Kontakte ins Ausland hatte, konnte nicht fliehen und blieb mit lediglich 14 weiteren Juden in Neubrandenburg.
Am 10. Juli 1942 deportierten SS und Polizei die Hausfrau in einem Sammeltransport via Hamburg nach Auschwitz. In dem Transport saßen insgesamt 697 jüdische Männer, Frauen und Kinder. In Auschwitz verliert sich die Spur von Hanna Löwi. Ob sie ihren 60. Geburtstag noch erlebte, ist nicht bekannt.
Quelle:
- Holocaust Denkmal Berlin
Meyer, Adolf
geboren 1876 in Klukowa Huta (Westpreußen), ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Treptower Straße 2a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
9. November 2023Letzte Wohnorte
Treptower Straße 3, Neubrandenburg;
Dragonerstraße 2, Berlin
Adolf Meyer war der Sohn von Heymann und Paulina Meyer, geborene Warschawsky. Er heiratet 1919 Flora Caspary. Das Paar lebte in der Treptower Straße 3 in Neubrandenburg. Sie bekamen zwei Söhne: Paul und Horst. Später zogen sie nach Berlin. Sogenannte Judenboykotte und Plünderungen jüdischer Geschäfte beraubten die Kaufmannsfamilie ihrer Lebensgrundlage.
Am 29. Januar 1943 zwangen SS und Polizei Adolf Meyer, seine Frau Flora und ihren jüngeren Sohn Horst, einen Viehwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz zu besteigen. Den älteren Sohn Paul deportierten sie einige Monate später ebenfalls nach Auschwitz–Birkenau.
Von der gesamten Familie hat man seitdem nie wieder etwas gehört. Adolf Meyer wurde 66 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Meyer, Flora
geboren 1884 in Bussin/Buszyno, ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Treptower Straße 2a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
9. November 2023Letzte Wohnorte
Treptower Straße 3, Neubrandenburg;
Dragonerstraße 2, Berlin
Flora Caspary wurde am 11. Februar 1884 in Bussin geboren, einem Dorf in Westpommern. Sie heiratete 1919 den deutlich älteren Kaufmann Adolf Meyer. Das Paar lebte in der Treptower Straße 3 in Neubrandenburg. Flora Meyer bekam mit ihrem Mann zwei Söhne: Paul und Horst. Später zog die Familie nach Berlin. Sogenannte Judenboykotte und Plünderungen jüdischer Geschäfte beraubten die Kaufmannsfamilie ihrer Lebensgrundlage.
Am 29. Januar 1943 zwangen SS und Polizei Flora Meyer, ihren Mann Adolf und ihren jüngeren Sohn Horst, einen Viehwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz zu besteigen. Den älteren Sohn Paul deportierten sie einige Monate später ebenfalls nach Auschwitz–Birkenau.
Von der gesamten Familie hat man seitdem nie wieder etwas gehört. Flora Meyer wurde 58 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Bundesgedenkbuch
Meyer, Horst
geboren 1925 in Neubrandenburg, ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Treptower Straße 2a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
9. November 2023Letzte Wohnorte
Treptower Straße 3, Neubrandenburg;
Dragonerstraße 2, Berlin
Horst Meyer wurde am 2. März 1925 in Neubrandenburg geboren. Er war der Sohn von Adolf und Flora Meyer. Er wuchs auf in einer Kaufmannsfamilie in der Treptower Straße 3 in Neubrandenburg. Später zogen sie nach Berlin.Sogenannte Judenboykotte und Plünderungen jüdischer Geschäfte beraubten die Kaufmannsfamilie ihrer Lebensgrundlage.
Am 29. Januar 1943 zwangen SS und Polizei Horst Meyer und seine Eltern, einen Viehwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz zu besteigen.
Am 30. Januar 1943 wurde Horst Meyer im Alter von 17 Jahren in Auschwitz ermordet.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Meyer, Paul
geboren 1921 in Neubrandenburg, ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Treptower Straße 2a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
9. November 2023Letzte Wohnorte
Treptower Straße 3, Neubrandenburg;
Dragonerstraße 2, Berlin
Paul Manfred Meyer wurde am 14. Januar 1921 in Neubrandenburg geboren. Er war der Sohn von Adolf und Flora Meyer. Er wuchs auf in einer Kaufmannsfamilie in der Treptower Straße 3 in Neubrandenburg. Später zogen sie nach Berlin. Sogenannte Judenboykotte und Plünderungen jüdischer Geschäfte beraubten die Kaufmannsfamilie ihrer Lebensgrundlage.
Im Januar 1943 zwangen SS und Polizei seine Eltern und seinen jüngeren Bruder Horst, einen Viehwaggon in das Vernichtungslager Auschwitz zu besteigen, wo sie ermordet wurden.
Paul Meyer wurde wenige Monate später am 28. Juni 1943 ebenfalls verhaftet und nach Ausschwitz deportiert. Paul Meyer wurde 22 Jahre alt.
Quellen:
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
- Bundesgedenkbuch
- Holocaust Denkmal Berlin
Rosenstein, Mathilde
geboren 1874 in Löbejün (Sachsen), ermordet 1943 in Theresienstadt
Verlegeort
Treptower Straße 3, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzter Wohnort
Am Markt 7/8, Neubrandenburg;
Mommsenstraße 55, Berlin
Mathilde Heß wurde am 22. Oktober 1874 in Löbejün in der Provinz Sachsen geboren. Ihre Eltern hießen Siegmund und Bertha Heß. Sie heiratete den aus Ostpreußen stammenden Herrenausstatter Jacob Rosenstein und lebte mit ihm „Am Markt 7/8“ in Neubrandenburg.
Das Paar bekam drei Kinder. Mathilde Rosensteins Mann war Sozialdemokrat und kandidierte 1919 als Spitzenkandidat der SPD bei den Neubrandenburger Kommunalwahlen.
Die Familie war ab 1933 aufgrund ihres politischen Engagements zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. Sie zogen nach Berlin. Im Jahr 1939 starb ihr Mann Jacob im Alter von 63 Jahren.
Mathilde Rosenstein wurde am 6. August 1942 von Angehörigen der SS und der deutschen Polizei in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort überlebte sie ein Dreivierteljahr. Sie starb am 23. Juni 1943 unter unbekannten Umständen. Mathilde Rosenstein war 68 Jahre alt.
Quelle:
- Holocaust Denkmal Berlin
Salomon, Hildegard Fanni
geboren 1906 in Neubrandenburg, ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Krämerstraße 1a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzte Wohnorte
Am Markt 15, Neubrandenburg;
Berlin
Hildegard Salomon, geborene Burchard, erblickte am 4. Februar 1906 in der mecklenburgischen Stadt Neubrandenburg das Licht der Welt. Sie heiratete den aus Ribnitz stammenden, vier Jahre älteren Alfred Salomon. Das Paar lebte „Am Markt 15“ in Neubrandenburg. Später zogen sie mit ihrem Mann nach Berlin.
Sehr wahrscheinlich mussten beide in kriegswichtigen Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisten und blieben daher zunächst von den Deportationen verschont. Ende Februar 1943 verhafteten Polizeiangehörige die letzten jüdischen Berliner Zwangsarbeitenden.
Hildegard Salomon wurde in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Tag der Ankunft in Auschwitz fiel auf ihren 37. Geburtstag. Die genauen Umstände des Todes von Hildegard Salomon sind nicht bekannt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Bundesgedenkbuch
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Salomon, Alfred Ludwig
geboren 1902 in Ribnitz, ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau
Verlegeort
Krämerstraße 1a, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
12. Juni 2020Letzte Wohnorte
Am Markt 15, Neubrandenburg;
Berlin
Alfred Ludwig Salomon wurde am 31.10.1902 im mecklenburgischen Ribnitz geboren. Er war der Sohn von Julius und Jenny Salomon, geborene Rosenberg. Er heiratete Hildegard Buchardt. Alfred Salomon war Kaufmann in Neubrandenburg und wohnte zusammen mit seiner Frau Hildegard „Am Markt 15“ in Neubrandenburg. Später zog er mit ihr zusammen nach Berlin.
Sehr wahrscheinlich mussten beide in kriegswichtigen Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisten und blieben daher zunächst von den Deportationen verschont. Ende Februar 1943 verhafteten Polizeiangehörige die letzten jüdischen Berliner Zwangsarbeiter.
Am 3. Februar 1943 wurde Alfred Ludwig Salomon in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Die genauen Umstände des Todes von Hildegard Salomon sind nicht bekannt. Alfred Ludwig Salomon wurde 40 Jahre alt.
Quellen:
- Holocaust Denkmal Berlin
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2
Tumbowski, Max
Geboren 1909 in Neubrandenburg, ermordet 1942 im KZ Sachsenhausen
Verlegeort
Treptower Straße 27, NeubrandenburgStadtteil
InnenstadtVerlegedatum
9. November 2023Letzter Wohnort
Alaunstr. 8, Dresden
Max Tumbowsky wurde am 7. Mai 1909 in Neubrandenburg geboren. Seine Eltern hießen David und Rebecka Tumbowsky, geborene Bachrach. Er war das jüngste Kind einer kinderreichen Familie. Sein Vater war Religionslehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde. Max Tumbowsky lebte in der Treptower Straße 3 und erlernte den Beruf des Buchhalters. Er lebte eine Zeit lang in Berlin und dann in Dresden.
Von 1938 bis 1939 kam er als rassisch Verfolgter in das Untersuchungsgefängnis Dresden. Von dort wurde er in das Zuchthaus Celle überstellt. Ob ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters im April 1939 und dem seiner Mutter im April 1940 erreichte, ist nicht bekannt.
Im September 1940 kam er in das Zuchthaus Hameln-Mulmshorn. Dort hatte Max Tumbowsky Hunger und schwere Misshandlungen zu erleiden. Kurz vor seiner Entlassung teilte die Oberstaatsanwaltschaft Dresden der Zuchthausverwaltung mit, dass die Gestapo Dresden „gebeten" habe, Max Tumbowsky nach Strafverbüßung mittels Sammeltransport in das Polizeigefangenenhaus Dresden rückführen zu lassen.
So wurde er am Tag seiner Entlassung, dem 1. April 1941, von der Polizei Hameln abgeholt und zur „Schutzhaft" in das Gerichtsgefängnis Hameln verbracht, um einen Tag später „auf Transport" in das Gestapogefängnis Dresden versetzt zu werden.
Rund zwei Wochen später, am 19. April 1941, wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Max Tumbowsky starb ein Jahr später am 23. April 1942. Seine genauen Todesumstände sind nicht bekannt. Max Tumbowski wurde 32 Jahre alt.
Quellen:
- Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V.
- Buddrus, Michael/ Fritzlar, Sigrid (2019): Juden in Mecklenburg 1845 – 1945. Band 2