Lehrpfade

Die Lehrpfade kennzeichnen historische Orte der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Sie ermöglichen Einblick in die Stadtgeschichte während des Nationalsozialismus und zur DDR Staatssicherheit auf dem Lindenberg. Sie halten die Erinnerung an das Wirken der Diktaturen und ihrer Opfer lebendig. 

Über Informationstafeln und eine Smartphone-Führung ergeben sich thematische Rundgänge. Das Smartphone-Angebot stellt eine Ergänzung zu den bestehenden Rundgängen dar. Es existiert seit 2020 und enthält spielerische Elemente mit Quizelementen und Suchaufgaben. Entwickelt wurde es von der RAA M-V in Kooperation mit der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, gefördert über die Landeszentrale für politische Bildung M-V.

Vorbereitung:

Zur Nutzung des Smartphone-Rundgangs muss die App Actionbound runtergeladen werden. Es empfiehlt sich den jeweiligen Lehrpfad im Vorfeld zu laden. Der Rundgang kann anschließend ohne mobile Daten genutzt werden.

Feedback:

Für Fehlermeldungen und Feedback zu den Lehrpfaden und zu den Smartphone-Rundgängen wenden Sie sich bitte an die Abteilung Kultur der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, Sachgebiet Gedenkarbeit (E-Mail: kulturamt@neubrandenburg.de).

Jüdisches Leben

Der Lehrpfad führt zu ehemals bedeutsamen Orten jüdischen Lebens in Neubrandenburg und bietet biografische Zugänge. Über Informationstafeln und eine Smartphone-Führung werden Spuren der Gemeinde und das Ausmaß von Verfolgung und Repression sichtbar.

Der Rundgang startet am Standort, der am 9. November 1938 in Brand gesteckten Synagoge. Wie auch andere Gebäude wurde sie in der Reichskristallnacht durch die SA zerstört. Die Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt ist geprägt von Einschränkungen der Siedlungs-, Handels- und Bürgerrechte und weiterreichenden Repressalien.

Ihre liberale Blüte erlebte die jüdische Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts. So wurde im Jahr 1914 der Sitz der Landesgemeinde von Strelitz nach Neubrandenburg verlegt, weil sich hier mit etwa 100 Mitgliedern die größte Gemeinde im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz befand.

Die Phase der gesellschaftlichen Integration endete abrupt mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Viele jüdische Bewohnerinnen und Bewohner flüchteten in Großstädte, in der Hoffnung in der Anonymität Schutz zu finden. Als der letzte jüdische Einwohner am Vorabend seiner Deportation verstarb, wurde die Stadt dem NS-Wortlaut folgend als „judenfrei“ gemeldet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten einige jüdische Einwohnerinnen und Einwohner zwar in die Stadt zurück, verließen diese aber bald darauf, um im westlichen Teil Deutschlands ein neues Leben zu beginnen.

Praktische Informationen:

  • Start: Synagogenplatz, Poststraße, 17033 Neubrandenburg
  • Ziel: Woldegker Straße, 17033 Neubrandenburg
  • Länge: 3 km
  • Dauer: ca. 3 Stunden
  • Alter: empfohlen ab Klassenstufe 9
  • Hinweis: Fahrrad empfohlen

    Rundgang:  https://de.actionbound.com/bound/judennb?setlang

Zwangsarbeit in der Nordstadt Neubrandenburgs ( 1939 - 1945)

Der Lehrpfad widmet sich dem Thema der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus. Zeitweilig stellten KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und zivile Arbeitskräfte, die nach Deutschland verschleppt wurden, über die Hälfte der Bevölkerung im Neubrandenburger Stadtgebiet. In der Nordstadt wurden sie massenhaft in der Rüstungsindustrie eingesetzt.

Praktische Informationen:

  • Start: Wolgaster Straße, 17034 Neubrandenburg
  • Ende: Sponholzer Straße, 17034 Neubrandenburg
  • Länge: 4 km
  • Zeit: ca. 4 - 5 Stunden
  • Alter: empfohlen ab Klassenstufe 11
  • Hinweis: Fahrrad dringend empfohlen

 Rundgang: https://de.actionbound.com/bound/zwangsarbeitnb

Torpedoversuchsanstalt & VEB Panzerreparaturwerk

Der Lehrpfad informiert zu Neubrandenburgs Geschichte als Standort der Militärtechnik. Über 50 Jahre wurden in Neubrandenburg Kriegswaffen getestet, erforscht und für den Einsatz vorbereitet. Die Anfänge dieser Geschichte liegen im Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1941 mussten Zwangsarbeitende eine Torpedoversuchsanstalt (TVA) am Tollensesee errichten. Die TVA ist einer von mehreren Rüstungsbetrieben in Neubrandenburg, die Zwangsarbeitende für den Bau und die Produktion heranzogen. Auf dem nahegelegenen See wurde eine Teststrecke für die Torpedos, unweit mehrerer Badestrände, errichtet: Die TVA war ein offenes Geheimnis der Nationalsozialisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige TVA zum VEB Reparaturwerk Neubrandenburg (RWN) und zum Arbeitsplatz tausender Menschen aus der Region. In den noch funktionsfähigen Hallen wurden bis zum Ende der DDR Panzer repariert. Heute finden sich in den Bauten Kunstateliers, Kulturprojekte und ein Wassersportzentrum.

Praktische Informationen:

  • Start: Kirschenallee, 17033 Neubrandenburg
  • Ziel: Nonnenhofer Straße, 17033 Neubrandenburg
  • Länge: 1,5 km
  • Dauer: ca. 1,5 Stunden
  • empfohlen ab Klassenstufe 9

    Rundgang: https://de.actionbound.com/bound/tvarwn

Kriegsende 1945

Der Lehrpfad beschäftigt sich mit den Erinnerungen der lokalen Bevölkerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs nach der Besetzung der Stadt durch die sowjetische Armee.

Der Rundgang startet in der Innenstadt auf dem Marktplatz und führt über verschiedene Etappen bis an den Gedenkort für die Opfer des Kriegsendes 1945, der sich im Kulturpark befindet. Im Mai 1945 änderte sich nicht nur das Stadtbild drastisch – auch die Lebenswege der Einwohner und Einwohnerinnen wandelten sich nachhaltig. Neubrandenburg war in den letzten Wochen des Krieges Schauplatz von Kampfhandlungen zwischen Wehrmacht und Sowjetarmee geworden und ein Brand zerstörte 80 Prozent der Innenstadt.

Das Gesicht der Stadt wandelte sich im Zuge von Enttrümmerung und Wiederaufbau erneut. Die zu NS-Zeiten stets hohe Präsenz von Militärpersonal und Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern verschwand aus dem Alltag: NS-Funktionärinnen und Funktionäre wurden nun verfolgt und interniert, Zwangsarbeitende wurden befreit und in ihre Heimatländer zurückgeführt. Sie waren vorher in Landwirtschaft, Industrie, Straßenbau und Privathaushalten ausgebeutet worden und hatten der deutschen Bevölkerung trotz Kriegszustand ein relativ „normales Alltagsleben“ ermöglicht.

Praktische Informationen:

  • Start: Marktplatz, 17033 Neubrandenburg
  • Ziel: Kulturpark Neubrandenburg, 17033 Neubrandenburg
  • Länge: 2,5 km
  • Dauer: ca. 2,5 Stunden
  • Alter: empfohlen ab Klassenstufe 10
  • Hinweis: Fahrrad empfohlen

 Rundgang: https://de.actionbound.com/bound/kriegsende45nb?setlang

DDR Staatssicherheit auf dem Lindenberg

Der Lehrpfad beschäftigt sich mit dem Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg zu Zeiten der DDR.

Der Rundgang verläuft auf einem übersichtlichen Areal, welches heute von Behörden genutzt wird. Von 1977 bis 1989 war es hermetisch abgeriegelt, da sich dort der Verwaltungssitz des MfS auf Bezirksebene befand. Zuvor war dieser in Neustrelitz, da es in der damaligen Bezirkshauptstadt Neubrandenburg nach dem Krieg nicht ausreichend Räumlichkeiten gab. Erst 1977 erfolgte die Fertigstellung des geplanten Neubaus auf dem Lindenberg. Die eigens für die Zwecke des MfS errichteten Gebäude entsprachen technisch und materiell dem neusten Standard. Als letztes Gebäude zog 1987 die Haftanstalt der Bezirksverwaltung des MfS von Neustrelitz nach Neubrandenburg. Sie hielt Plätze für Untersuchungshäftlinge als auch für politische Strafgefangene bereit.

Im Zuge der Massendemonstrationen zur Friedlichen Revolution im Jahr 1989 wurde der Lindenberg von Bürgerrechtlerinnen und -rechtlern besetzt und die MfS-Bezirksverwaltung schließlich aufgelöst.

Praktische Informationen:

  • Start: Bushaltestelle Behördenzentrum
  • Ziel: Stasi-Unterlagen-Archiv Neubrandenburg
  • Länge: 1,2 km
  • Dauer: ca. 2-3 Stunden
  • Alter: empfohlen ab Klassenstufe 9

 Rundgang: https://de.actionbound.com/bound/stasinb

Kriegsgräber

Der Lehrpfad zeigt Orte auf, die bis heute Zeugnis von Krieg und Gewalt ablegen. Sie sind den Gefallenen des Krieges gewidmet, aber auch den Opfern, die im Zuge von Zwangsarbeit oder dem Kriegsende ums Leben kamen.

Der Lehrpfad verfügt über keinen Smartphone-Rundgang, sondern ist allein durch Informationstafeln gekennzeichnet. Er befindet sich stufenweise im Aufbau.